Sommer, Sonne pur: Unser Fest der Begegnung

Juni 29, 2026 | Allgemein

Werkstatt stellt sich vor und lädt zum Kennenlernen ein: Das war das Ziel unseres Festes der Begegnung, das in der Fachwerkstatt in Traunreut-Oderberg stattfand – am heißesten Sommer-Samstag dieses Jahres. Und das ging leider auf Kosten der Besucherzahl. Aber nichts desto trotz: Wer vorbei kam, erlebte eine Fülle von Information, eine spannende Podiumsdiskussion und ein Live-Konzert mit Monika Drasch & Band.
Die Schirmherrschaft hatte Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger übernommen.

„Inklusion – wir machen das“ war der Titel der Veranstaltung mit einem Programm, das die ganze Familie ansprechen wollte. Ein großes Festzelt erwartete die Besucher, in dem die Ventilatoren zur Kühlung auf Hochtouren liefen. Die meisten Programmpunkte wie auch die Hüpfburg für die Kinder waren spontan in die teils klimatisierten Räume nach innen verlegt worden. Hier wurde man gleich im Foyer von einem Verkaufsstand der beiden Förderstätten der CLW und der Lebenshilfe Traunstein gGmbH begrüßt, der Anlass zum Verweilen und Begegnen bot. Wer nicht gleich in die kühle Cafeteria abbiegen wollte, konnte sich in der Turnhalle kurz und knackig über das System Werkstatt informieren: „Vom Zuhause ins Arbeitsleben – Luca findet seinen Platz“ zeigte mit zehn großformatigen Bildern und kurzen Texten, was einen jungen Menschen erwartet, wenn er sich für einen Arbeitsplatz in einer unserer Werkstätten entscheidet, und erledigte damit die berühmt-berüchtigte Frage nach der Zahlung von Mindestlohn von selber.

Dieser Frage und vielen mehr ging man aber auch ausführlich in der Podiumsdiskussion nach, zu der neben Vertreterinnen und Vertretern der politischen Parteien mit Erika Stelzl als Landesvertreterin der Werkstattbeschäftigten und der Musikerin Monika Drasch, die als Mutter an der Diskussion teilnahm, auch zwei direkt Betroffene vertreten waren. „Werkstatt – Teilhabe oder Sackgasse?“ Die fachliche Seite übernahm Jessica Stahl, pädagogische Gesamtleitung unserer CLW; Franz Obermayer von FoxGroup, Vorsitzender des Informationskreises der Wirtschaft Traun/Alz, vertrat die unternehmerische Sicht.
Die Moderation hatte Dr. Jens Maceiczyk übernommen, Geschäftsführer der CLW.
„Werkstätten sind für viele Menschen ein sinnstiftender Ort der Struktur, und auch der Selbstverwirklichung. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie durchlässig dieses System eigentlich ist und wie inklusiv unsere Arbeitswelt tatsächlich geworden ist“, brachte Thomas Schwarzenberger in seinem einleitenden Grußwort die gesamte Problematik gleich auf den Punkt. Denn genau hier setzten die beiden Kritikerinnen in der Runde an – für Katrin Langensiepen, Mitglied des europäischen Parlaments, sozialpolitische Sprecherin für Greens/EFA, widerspricht das deutsche Werkstätten-System der UN-Behindertenkonvention. Eine Ansicht, der sich Ingrid Hofmann, SPD-Bezirksrätin, anschloss. Exklusion statt Inklusion? Dem widersprach Wilfried Oellers, Mitglied des Bundestages für die CDU und Beauftragter der Union für Teilhabe behinderter Menschen im deutschen Bundestag, deutlich. Alle drei waren dem Podium online zugeschaltet. „Im Fokus steht hier der Mensch – meiner Ansicht nach kommt das bei den Diskussionen komplett zu kurz“, betonte Oellers. Trotzdem unterstrich auch er, dass es Reformbedarf gäbe, vor allem, was die Transparenz des Systems beträfe, zum Beispiel bei der Zusammensetzung des Werkstattentgeldes. „Man muss sehen, was Werkstätten leisten, wofür wir sie brauchen“, unterstrich der CDU-Politiker. Der Ruf nach mehr Inklusion in der Wirtschaft sei aber durchaus berechtigt.
Und auch Dr. Martin Brunnhuber von den Freien Wählern unterstrich die für ihn große Bedeutung der Werkstätten mit ihrer Aufgabe für die Gesellschaft.

Dass es für Betriebe, die Aufträge an eine Werkstatt für behinderte Menschen geben, dabei nicht in erster Linie um den Vorteil der Minderung der Ausgleichsabgabe ginge, betonte Franz Obermayer. „Man muss den Gesamtaufwand sehen. Unsere Betriebe möchten hier unterstützen, vergeben deswegen gezielt Aufträge in die Werkstatt, nehmen zusätzliche Kosten und Aufwand in Kauf“, betonte der Unternehmer. Denn es sind die realen Aufträge, die den Beschäftigten Sinn und Teilhabe ermöglichen. „Nur so ist eine Werkstatt keine Bastelstube, sondern ein vollwertiger Arbeitsplatz. Ob ich für die Erledigung der Arbeit direkt in die beauftragende Firma oder eben in meine Werkstatt fahre, macht für mich keinen Unterschied. Aber in der Werkstatt arbeite ich in einem Rahmen, der für mich Schutz bedeutet. Ohne Druck, mit Förderung, in einem Kollegium, das mich versteht“, sagte Erika Stelzl. Wie wichtig dabei so ein Kollegium und die zusätzlichen Unterstützungsangebote für die persönliche Weiterentwicklung eines von Behinderung betroffenen Menschen sind, unterstrich auch Monika Drasch, deren geistig beeinträchtige Tochter in einer Werkstatt arbeitet. „Für mich bedeutet Inklusion, dass die Menschen eine Wahlmöglichkeit haben. Ich möchte mich mit aller Kraft für die Werkstätten einsetzen. Auf sie aufmerksam machen. Dafür bin ich heute hier“, unterstrich die engagierte Musikerin.

Mit Führungen durch die Fachwerkstatt und den benachbarten Inklusionsbetrieb der Chiemgau Maßarbeit, einem großen Informationsraum, in dem sich neben der Lebenshilfe Traunstein gGmbH auch der Angehörigen und Betreuer Beirat der CLW präsentierte, wurde unsere Arbeit für und mit Menschen mit einer geistigen oder seelischen Behinderung ausführlich vorgestellt und von allen Seiten beleuchtet. Auch die Chiemgau Kiste, unser zweites Inklusionsunternehmen, stellte sich mit einem Informationsstand vor.

Ein Live-Konzert mit der bayerischen Musikerin Monika Drasch & Band rundete gegen Abend das bunte Programm ab. Die Frau mit der grünen Geige begeisterte mit moderner Volksmusik, traumhafte Melodien und jazzigen Grooves. Star des Abends war aber eindeutig Senta Drasch. Als die geistig beeinträchtigte junge Frau zum Mikrophon griff und eine bayerische Version von „Crazy man“ von Alan Taylor anstimmte, war der Jubel des Publikums groß.