
„Diese Zeit hat mich geprägt“ – Erfahrungen im Bundesfreiwilligendienst
Eigentlich wollte sie Sport und Ernährung studieren. Doch am Ende ihres Bundesfreiwilligendienstes in unserer Südwerkstatt fällt die Entscheidung nun anders aus: Hanna Berger möchte ein Studium der Sozialen Arbeit beginnen. „Diese Zeit hier hat mich geprägt“, sagt die 20jährige.
Nach dem Abitur wusste sie nicht, wo die Reise hingehen sollte. Ihre Großmutter riet ihr zu einem Orientierungsjahr. Über die Internetsuche entdeckte sie die CLW mit ihrem Angebot eines Bundesfreiwilligendienstes. Die Rahmenbedingungen machen so ein soziales Jahr für junge Menschen attraktiv: rechtlich ist es mit einem Ausbildungsverhältnis vergleichbar, es gibt insgesamt 25 Bildungstage in Form von Seminarangeboten und ein festes Taschengeld. „Ich war neugierig darauf, mit Menschen zu arbeiten, die eine geistige Behinderung haben. Im Alltag hat man ja leider in der Regel keinen Kontakt“, sagt die gebürtige Traunsteinerin.
In der Südwerkstatt in Traunstein empfing man sie gleich mit offenen Armen. Als Assistenz der Gruppenleitung kam sie rasch in Kontakt mit den 13 Beschäftigten in ihrer Arbeitsgruppe. „Die gute Laune bei der Arbeit hier ist einfach ansteckend“, lacht Hanna.
In der Südwerkstatt werden in erster Linie Lebensmittel abgepackt. Für die junge Frau war der Einblick in eine Werkstätte für behinderte Menschen eine völlig neue Welt. „Die Beschäftigten sind sehr stolz auf ihre Arbeit. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten erbringen sie eine hohe Leistung. Und ohne Druck und mit persönlicher Förderung geht es ihnen einfach gut“, ist ihre Erfahrung.
Regelmäßig konnte sie auch an den Gesprächen der sogenannten ChEK-Maßnahmen teilnehmen. Grundlage dieses speziellen Entwicklungskonzepts sind regelmäßige Gespräche zwischen dem Beschäftigten, der Gruppenleitung und dem pädagogischen Fachdienst. Gemeinsam wird festgelegt, welche Ziele der Mensch mit Behinderung in den kommenden Monaten erreichen möchte. Darauf aufbauend werden Maßnahmen beschlossen, um berufliche und persönliche Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Hannas Unterstützung wurde dabei sehr gerne in Anspruch genommen, wenn es darum ging, Kulturtechniken zu vertiefen. Sei es, die Uhr zu lernen oder das Einmaleins zu verstehen.
„Die Menschen hier haben mich tief beeindruckt. Ihre Gedanken, ihre absolute Ehrlichkeit und vor allem ihre große Lebensfreude. Für sie scheint einfach jeden Tag die Sonne und alles ist gut. Die sind einfach so glücklich“, erzählt Hanna. Der Umgang mit den Beschäftigten hat sie geprägt – „man wird dankbarer. Man lernt, sich über die kleinen Dinge des Alltags richtig freuen zu können.“
