Ein ganz besonderer Volkshochschulkurs

Sep. 29, 2026 | Allgemein

Eine Einladung an die breite Öffentlichkeit: „Ich war noch niemals in…. einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung“. So heißt der Volkshochschulkurs, den die Südwerkstatt zusammen mit der Chiemgau-Kiste zum ersten Mal angeboten hat.

„Man ist erstmal überwältigt, wenn man noch nie in so einer Werkstatt für in erster Linie geistig behinderte Menschen war“, sagte ein Teilnehmer am Ende des Rundgangs. Viele kleine Arbeitsschritte, bis der fertige Karton voller Alpensalz oder Ähnliches abholbereit auf einer Palette steht – „man denkt ja nicht dran, dass das Handgriffe sind, die irgendjemand machen muss!“

Die Idee zu diesem nachmittäglichen Rundgangangebot entstand, um in der Gesellschaft sichtbarer zu werden. „Es gibt immer wieder Vorurteile gegenüber Werkstätten. Und es gibt Hemmschwellen im Umgang mit den Menschen, die bei uns beschäftigt sind. Hier möchten wir ansetzen“, erläutert Andreas Hafner, Betriebsleiter der Südwerkstatt und Geschäftsführer des benachbarten Inklusionsbetriebs, der Chiemgau-Kiste.

„Diese Freundlichkeit, die man hier erfährt, dieses herzliche Willkommen ist so schön“, freute sich eine Teilnehmerin. Beeindruckt zeigte sich die Gruppe vor allem von den klar strukturierten Arbeitsabläufen und der konzentrierten, freudigen Atmosphäre in den einzelnen Arbeitsgruppen. „Ich habe jetzt gelernt, diese Kartons zusammenzufalten“, erzählte eine der Beschäftigten stolz, während nebenan auf dem Laufband die Tüten dafür abgezählt werden. Dabei wurde deutlich, dass die Beschäftigten jeweils sehr genau wissen, für welchen Kunden sie arbeiten sich mit ihrem Auftrag identifizieren.
Die Südwerkstatt der Chiemgau-Lebenshilfe-Werkstätten ist vor allem auf die Abfüllung von Lebensmitteln spezialisiert. Regionale Betriebe wie Adelholzener oder Bad Reichenhaller Markensalz gehören zum festen Kundenstamm. Aber auch leichte Montagearbeiten werden hier verrichtet. Doch die Auftragslage ist angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Situation angespannt. „Trotzdem muss auch unsere Einrichtung betriebswirtschaftlich arbeiten. Unsere Finanzierung ist vielschichtig und komplex, damit die Menschen hier keinen Leistungsdruck erfahren. Gleichzeitig bekommen sie Therapien und fördernde Schulungen, denn wir sind letztlich eine REHA-Einrichtung. Doch der Lohn, den wir am Ende des Tages auszahlen, errechnet sich über unsere Kundenaufträge“, umriss Hafner die komplexe Situation der Finanzierung einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

Auch die benachbarte Chiemgau-Kiste öffnete ihre Türen für den Besuch. Hier wurde für die Besucher und Besucherinnen der Unterschied zwischen Werkstatt und Inklusionsunternehmen deutlich – in unserer Tochterfirma zählen die Arbeitsplätze zum sogenannten ersten Arbeitsmarkt. Das bedeutet für die 16 Angestellten, von denen über 50% eine Behinderung mitbringen, einen im Prinzip ganz normalen Arbeitsalltag. Mit mehr Begleitung – aber auch mit einem klaren Leistungsauftrag. Betriebsleiterin Evi Weingarten beantwortete alle Fragen zum Blick hinter die Kulissen dieses Bioladens auf Rädern.
„Solche Unternehmen zu führen ist eine riesen Herausforderung – Hut ab“, war das Fazit eines Teilnehmers.

Am neunten Dezember 2026 wird dieser Kurs noch einmal über die VHS Traunstein angeboten und bereits am 11. November über das Kreisbildungswerk. Anmelden kann man sich auch jeweils direkt in der Südwerkstatt unter 0861 9095 903-201.